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Artenvielfalt fördern

(Lesezeit: 10 min)

Um die Artenvielfalt von Wildbienen effektiv und langfristig zu erhalten, aber auch zu fördern, bedarf es einem gezielten Lebensraumschutz und gut durchdachten Maßnahmen. Jedoch kann jede*r den fleißigen BestĂ€ubern in seinem Zuhause unter die FlĂŒgel greifen und sie unterstĂŒtzen. Auf dieser Seite erfĂ€hrst du alles was du wissen musst, um Wildbienen einen passenden Lebensraum zu bieten.

Download einer Kurzanleitung zu DIY-Nistmöglichkeiten

Lebensraum

Um Wildbienen gezielt zu unterstĂŒtzen, gilt es einiges zu beachten. Ganz am Anfang sollte man sich einiger grundlegender Informationen bewusst sein, z.B. was denn alles im Lebensraum von Wildbienen vorkommen sollte. Als Lebensraum bezeichnet man jenes Areal, in dem eine bestimmte Art lebt und in dem eine Arte alle ĂŒberlebenswichtigen Requisiten vorfindet. Wildbienen brauchen in einem passenden Lebensraum vor allem Folgendes: Nahrung(spflanzen), NistplĂ€tze und Baumterial, welches zum Erstellen der Brutkammern verwendet wird. Wie groß dieser Lebensraum ist, ĂŒberrascht so manche Person, denn Studien zeigen, dass Wildbienen nicht viel weiter als 100m zwischen Nistplatz und Nahrung fliegen (Hofmann et al. 2020). Die Flugweite variiert zwar je nach GrĂ¶ĂŸe der Art (und kann auch mehrere hundert Meter betragen), aber dennoch ist diese Studie wohl die Antwort auf die Frage, warum viele noch so schöne Nisthilfen unbesiedelt bleiben. Der Lebensraum einer Wildbienenart muss also auf sehr geringer FlĂ€che vieles bieten. Was erstmal nach einer großen Herausforderung klingt, lĂ€sst sich leichter umsetzten, als gedacht.

Im Folgenden wird auf die drei wichtigen Lebensraumaspekte (Nisthilfen, Baumaterial und Nahrungspflanzen) eingegangen.

Nisthilfen

In Österreich gibt es knapp 700 Wildbienenarten (Zettel et al. 2015), wovon jede sehr spezielle Anforderungen an ihren Lebensraum und somit auch an ihren Nistplatz hat. Dementsprechend gilt: Je vielfĂ€ltiger der angebotene Lebensraum ist, desto mehr Arten können angelockt werden. Nisthilfen sind aber niemals ein Garantie dafĂŒr, dass die Wildbienen auch einziehen, da gewissen Arten nur in bestimmten Regionen verbreitet sind oder vielleicht einfach nie den Weg in den Garten oder zum Balkon finden. Weiters sollte beachtet werden, dass fĂŒr Wildbienen vor allem die hier erwĂ€hnten Lebensraumaspekte eine wichtige Rolle spielen und nicht, ob wir Menschen die Nisthilfe oder den Garten/Balkon Ă€sthetisch ansprechend finden!

Good to know: Wer einen halbwegs seriösen Umgang mit Wildbienen pflegt oder pflegen will, sollte von Begriffen wie „Insektenhotel“ oder „(Wild)Bienenhotel“ Abstand nehmen. Warum? Westrich formuliert es auf seiner Website folgendermaßen:

Frage: WĂŒrden Sie als Gast in einem Hotel MöbelstĂŒcke nach draußen befördern, putzen, Zimmer tapezieren, WĂ€nde hochziehen oder TĂŒren einbauen? Wohl kaum. All dies machen aber die Weibchen, die die Nisthilfen fĂŒr ihre BrutfĂŒrsorge nutzen. Und wir Menschen fĂŒhren diese TĂ€tigkeiten im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung aus.

Hin und wieder werden Nisthilfen zwar auch als Schlafplatz aufgesucht, jedoch verbringen die meisten Individuen ihre Entwicklungszeit (Monate bis Jahre) vom Ei bis zum adulten Insekt in den Nisthilfen. Dementsprechend ist die Bezeichnung „Hotel“ irrefĂŒhrend.

Standort und Montage

Wildbienen mĂŒssen an der Nisthilfe ein bestimmtes Mikroklima vorfinden und da sie wĂ€rmeliebend sind, brauchen sie Sonne. Daher sollte fĂŒr die Nisthilfe ein stauwarmer Standort gewĂ€hlt werden und diese nach SĂŒd-Ost bis SĂŒd-West ausgerichtet werden. Die Anflugschneise bzw. der Bereich unmittelbar vor der Nisthifle sollte unbedingt freigehalten werden. Weiters sollte die Nisthifle wettergeschĂŒtzt sein, also an einer Stelle befestigt werden die ĂŒberdacht bzw. geschĂŒtzt ist oder selbst mit einem Dach o.Ă€. augestattet sein. Bei grĂ¶ĂŸeren Nisthilfen ist es auch wichtig, dass diese ordentlich im Boden verankert und damit auch standfest sind.

Um die Niströhren vor Feinden zu schĂŒtzen und/oder fĂŒr Beobachtungen zugĂ€nglicher zu machen, kann entweder ein weitmaschiger Kaninchendraht in einem Abstand von 10cm zu den Einfluglöchern montiert werden oder man bringt (Plexi-)Glasscheiben in einem Abstand von wenigen cm an. Dieser Draht hĂ€lt vor allem hungrige Vögel davon ab die EingĂ€nge der Niströhren aufzubrechen, stört aber die Wildbienen beim Anflug nicht.

Nicht nur adulte Wildbienen, sondern auch ihre Larven sind an ein bestimmtes (Mikro-)Klima angepasst. Das betrifft auch die kĂ€lteren Monate. Nisthilfen dĂŒrfen auf keinen Fall im Winter (nach drinnen) ĂŒbersiedelt werden! Die Temperaturen wĂŒrden dazu fĂŒhren, dass die Bienen schlĂŒpfen und auf Grund von fehlender Nahrung sterben. Generell sollte die Nisthilfe nicht bewegt werden, es sei denn zur Reinigung. Wie eine solche Reinigung durchgefĂŒhrt werden sollten, wird hier genau erklĂ€rt.

HohlrÀume

Schilfröhrchen mit unterschiedlichen Durchmessern.

Viele von uns kennen die Löcher oder Fraßspuren in Holz. Diese wurden oft von KĂ€fern oder Holzwespen angelegt und werden irgendwann von Wildbienen als Nistplatz genutzt. Derlei HohlrĂ€ume sind am einfachsten nachzuahmen und werden auch sehr gerne angenommen.

Eine Möglichkeit bieten Bambus-, Schilf-, oder Pappröhrchen, welche im Durchmesser zwischen 3 – 9mm variieren sollten, da auch hier jede Art andere AnsprĂŒche hat. Weiters ist darauf zu achten, dass die Röhren hinten verschlossen sind (wenn nicht, dann verschließen oder an der RĂŒckwand einer Nisthilfe befestigen, z.B. mit Gips) und dass die Öffnungen glatt sind. Denn an zerfransten Öffnungen (wie sie vor allem Nisthilfen in GeschĂ€ften haben) zerreißen sich die Wildbienen die FlĂŒgel und schnell wird aus einer Nisthilfe ein Wildbienenvernichter.

Angebohrte Hartholzblöcke, welche vom Tischler bezogen wurden.

Es können aber auch Hartholzblöcke besorgt oder selber hergestellt werden. Am besten eignen sich gut getrocknete und unbehandelte Eiche, Buche oder Esche, aber auch Obstgehölze. Bei den Maßen der Holzblöcke ist nur eine Tiefe von mind. 15cm zu beachten, alles andere kann frei zugeschnitten werden. Auch hier ist es wieder wichtig, dass die Lochdurchmesser zwischen 3 – 9mm variieren, so dass man den AnsprĂŒchen mehrere Arten gerecht wird. Gebohrt wird ins LĂ€ngsholz (wo vorher die Rinde war) und immer mit der ganzen Bohrertiefe (aber einen Durchbruch sollte man vermeiden!). Die Löcher sollten nach dem Bohren ordentlich gereinigt und geschliffen werden. Wichtig ist auch, dass zwischen den Bohrlöchern genug Abstand bleibt, um Rissbildungen zu verhindern. AbstĂ€nde von 1 – 2cm (mehr Abstand bei grĂ¶ĂŸeren Löchern) haben sich bewĂ€hrt und reichen im Normalfall aus. Da Bienen sich beim Anflug zuerst visuell orientieren und dann erst am Duft, empfiehlt es sich, die Löcher durcheinander oder gern auch in frei wĂ€hlbaren Mustern anzuordnen.

Angebohrte BaumstÀmme (wichtig: ins LÀngsholz bohren!)

Auch BaumstĂ€mme (Obstholz, Esche, Buche, Eiche) eignen sich hervorragend, um angebohrt und prĂ€sentiert zu werden. Die StĂ€mme sollten wirklich gut getrockent worden (1 – 2 Jahre) und unbehandelt sein. Bitte auch hier ins LĂ€ngsholz bohren, um Rissbildungen möglichst zu verhindern und die Löcher reinigen (z.B. mit Druckluft). Dann die EingĂ€nge von Fasern befreien. Bei den Durchmessern wieder auf 3 – 9mm zurĂŒckgreifen.

Man kann auch Tot- oder Morscholz StĂ€mme anbieten. Dazu wĂ€hlt man 1 – 2m lange StĂŒcke aus, lagert diese an sonnigen PlĂ€tzen. Je nach Abbaugrad und Holzart werden sich unterschiedliche Arten ansiedeln.

BITTE auf keinen Fall Nadelhölzer verwenden, da diese teils stark ausfransen oder das Harz den Bienen die FlĂŒgel verklebt!

Zu guter Letzt können auch Strangfalzziegel angeboten werden, sofern die Löcher der Ziegel die passenden GrĂ¶ĂŸe (3-9mm) haben. Bitte unbedingt die hinteren Enden verschließen und die Ziegel waagerecht anbieten.

Zwei Brombeerranken, die mit Kabelbinder an einem Pfosten befestigt wurden.

Markhaltige StÀngel

Ein kleiner Teil der Wildbienenarten (ca. 5%) nistet bevorzugt in markhaltigen StĂ€ngeln. Jedoch schafft es nur eine Art, nĂ€mlich die Dreizahn-Mauerbiene (Osmia tridentata), sich durch die verholzte Wand der StĂ€ngel zu nagen. Das heißt, alle anderen Arten sind auf freigelegtes Mark (durch umknicken oder abschneiden) angewiesen und nagen sich dann ihre Niströhre ins weiche Mark. Am besten nimmt man ca. 15mm dicke und 1m lange StĂ€ngel von Brombeere, Hollunder, Himbeere, Königskerze oder Disteln. Die StĂ€ngel sollten senkrecht (!) und möglichst vereinzelt an gegebenen Strukturen befestigt werden. Will man die StĂ€ngel in den Boden stecken, muss das untere Ende gut geschĂŒtzt werden, da die StĂ€ngel sonst faulen und dann nicht mehr besiedelt werden.

Löss

Lehm-Sandgemisch im witterungsbestÀndigen Blumenkasten.

Gewisse Arten nisten sich gerne in sandigen oder lehmigen SteilwĂ€nden ein, wie sie z.B. an Flussufern oder Weinbergen zu finden sind. FĂŒr derartige Nisthilfen empfiehlt sich Löss, welcher aber nur schwer nachzuahmen ist. NatĂŒrlicher Löss sollte nicht einfach aus der Natur entnommen werden, da dieser vielen Lebewesen als Lebensraum dient! Eine gut bewĂ€hrte Möglichkeit ist, Baulehm (z.B. von CLAYTEC) mit Sand zu vermischen. Es kann hierbei auch Spielsand verwendet werden, aber eher kein zu lehmiger Sand, da mit dem Sand eine Abmagerung des Lehms erreicht werden soll.

Das VerhĂ€ltnis von Sand zu Lehm schwankt je nach konkreter Beschaffenheit der Materialien. Am besten mischt man zuerst eine kleine Menge an: Dazu rĂŒhrt man den Lehm nach Anleitung an und gibt dann Sand in einem 1:1 VerhĂ€ltnis zu (siehe Foto). Das angehĂŒhrte Gemisch fĂŒllt man in ein witterungsbestĂ€ndiges GefĂ€ĂŸ und stellt es möglichst senkrecht (siehe Foto). ZusĂ€tzlich empfiehlt es sich, Löcher mit Durchmessern von 5 – 8mm vorzubohren, denn diese wirken sehr anziehen auf bestimmte Arten. Nach dem AushĂ€rten sollte die Masse mit dem Fingernagel abgekratzt werden können .

Leere WeinbgerschneckenhÀuser in einem Tontopf.

SchneckenhÀuser

Einige wenige Arten legen ihre Brutkammern in leeren SchneckenhĂ€usern an. Immer wieder findet man SchneckenhĂ€user auch in fertig gekauften Nisthilfen, was aber leider nicht sinnvoll ist. Wenn man sich dazu entschließt, diese speziellen Wildbienenarten zu fördern und ihnen einen Nistplatz anbieten will, dann sollten die SchneckenhĂ€user am Boden und möglichst unter Steinen oder anderen „VorsprĂŒngen“ verteilt werden (siehe Foto). Wichtig ist auch, die SchneckenhĂ€user nicht zu fixieren, da die Bienen die HĂ€user oft noch einige Male drehen und bewegen bevor darin genistet wird. HĂ€user von Weinbergschnecken kann man hĂ€ufig online finden (z.B. willhaben), aber es können auch HĂ€user von kleineren Schneckenarten verwendet werden.

Erdboden

„Sandarium“ im Bee.Ed-Bienengarten.

Last but not least: Mehr als zweit Drittel aller Wildbienenarten nisten im Boden und daher sollte man auch dementsprechende Nisthilfen anbieten. Obwohl es viele sogenannte BodenbrĂŒter gibt, ist der Erfolg solcher Nisthilfen bei weitem nicht garantiert oder wird gerne auch von anderen Arten (Grabwespen, etc.) genutzt. Aber was braucht man dafĂŒr? Einen Magerstandort.

Als erstes sollte man also die nĂ€hrstoffreiche Humusschicht entfernen und die so freigelegte FlĂ€che mit Sand oder Kies befĂŒllen. Bei Untersuchungen hat man herausgefunden, dass gewissen Arten bis zu 42cm in die Tiefe graben (Westrich 2015), was fĂŒr so kleine Tiere doch sehr beachtlich ist. Daraus resultiert auch die auszuhebende Tiefe des Erdreiches. Da nicht alle Arten so tief graben, können solche Substrate wahlweise auch in etwas grĂ¶ĂŸere Blumentöpfe gefĂŒllet werden, welche zumindest 15 – 20cm hoch sind.

Beim Kauf und der Verwendung von Sand sollte darauf geachtet werden, dass dieser nicht gewaschen ist. Gewaschenem Sand fehlt die Bindigkeit und so werden die GrabgĂ€nge der Wildbienen immer wieder einstĂŒrzen. Optimal ist genannter Flugsand, der aber schwer zu erwerben ist. Alternativen bieten ungewaschener Putzsand oder Feinsand.

Spezielle Hummel-Nisthilfen

Hummeln nisten gerne in verlassenen KleinsÀugerbauten, in denen sie eine gerÀumige Nesthöhle und Nistmaterial vorfinden. Diese Bedingungen lassen sich relativ einfach mit speziellen NistkÀsten nachahmen. Anleitungen zu DIY-NistkÀsten findet man hier oder hier.

Reinigung von Nisthilfen

Die Reinigung von Nisthilfen ist eine heikle Angelegenheit, denn es sollten keine benutzten Röhren dabei zerstört werden. Auf was man achten muss und wie man am besten vorgeht, wird am Ende dieser Website erklÀrt.

Baumaterial

Wildbienen benötigen gewisse Materialien, mit welchen sie die TrennwĂ€nde in ihren Niströhren bauen und letztendlich auch die EingĂ€nge verschließen. Gewisse Materialien muss man gar nicht anbieten, da die Bienen diese mehr oder weniger ĂŒberall finden. Andere Materialien kann man eher schwer anbieten und man kann lediglich darauf achten, ob es diese in der nĂ€heren Umgebung verfĂŒgbar sind. Faszinierend ist, dass die VerschlĂŒsse der Niströhren fast so vielfĂ€ltig sind wie die Wildbienenarten selbst. Daher ist es sogar möglich, Arten am benutzten Material und dem Durchmesser des Verschlusses zu bestimmen. Es gibt hierfĂŒr eigene BestimmungschlĂŒssel, z.B. nach Westrich.

Verschiedene Verschlussmaterialien lassen auf die Art schließen (v.l.n.r.: Lehm, BlattstĂŒcke, Harz)

Hier eine kleine Auswahl an Verschlussmaterialien: Lehm, Sand, mineralisches Material, BlattstĂŒcke, Harz, dĂŒnne/dicke HĂ€utchen, (dĂŒrre) Grashalme, BlĂŒtenblĂ€tter, Pflanzenmörtel, Pflanzenhaare, Bohrmehl, holziges Material, …

Nahrungspflanzen

Oft bleiben Wildbienennisthilfen unbesiedelt. Das kann verschiedene GrĂŒnde haben. Vielleicht ist die Nisthilfe ungeeignet (siehe nĂ€chster Abschnitt) oder aber es fehlen wichtige Nahrungspflanzen! Wildbienen fliegen bei der Nahrungssuche keine weiten Strecken und daher wird eine Nisthilfe in einem mehrmals wöchtenlich gemĂ€hten Garten mit englischem Rasen und Schotterbereichen eher unbesiedelt bleiben (wenn nicht gerade der Nachbar einen naturnahen und strukturreichen Garten hat- in dem Fall sind die Wildbienen wohl in dessen Garten anzutreffen). ABER: Es ist kein riesiger Garten notwendig, um Wildbienen anzulocken. Auch ein kleiner Balkon mit einigen durchdacht bepflanzten BlumenkĂ€sten reicht vollkommen aus!

Generell sollte man wissen, dass sowohl MĂ€nnchen als auch Weibchen fĂŒr die Eigenversorgung hauptsĂ€chlich Nektar sammeln. Pollen (und teilweise Öle) werden fĂŒr die Versorgung der Nachkommen „geerntet“, zu den NistplĂ€tzen transportiert und in den Brutkammern (zusammen mit je einem Ei pro Kammer) gelagert. Wie viel Pollen die Bienen fĂŒr die Versorgung einzelner Brutzellen benötigen variiert artspezifische sehr stark und kann von sieben BlĂŒten (bei kleineren Arten) bis hin zu ĂŒber 1.000 BlĂŒten (bei grĂ¶ĂŸeren Arten) reichen. Dabei werden meist mehrere Kammern pro Nistplatz angelegt.

ZusĂ€tzlich ist es wichtig zu wissen, dass bei Wildbienen zwischen polylektischen und oligolektischen Arten unterschieden wird. Oligolektische Arten (ca. 30% der in Österreich vorkommenden Arten) sind entweder auf eine Pflanzenfamilie oder Pflanzengattung spezialisiert und können genetische bedingt gar nicht auf anderen BlĂŒten ausweichen. Polylektische Arten weisen keine Spezialisierungen auf und können fast alle BlĂŒten anfliegen.

Da Wildbienen große Mengen an Nektar fĂŒr den Eigengebrauch sammeln mĂŒssen (weil Fliegen so energieaufwĂ€ndig ist) und gleichzeitig relativ viel Pollen fĂŒr die Versorgung der Nachkommen benötigen, sollte fĂŒr ein reiches und andauerndes BlĂŒtenangebot gesorgt weren- am besten mit einem Trachtband. Dieser Imkerei-Fachbegriff bezeichnet die permanente BlĂŒtenverfĂŒgbarkeit ĂŒber das ganze Bienenjahr hinweg (Ende Februar/Anfang MĂ€rz bis Oktober). Wohlgemerkt handelt es sich bei einem Trachtband um den Optimalfall, denn nicht jede der ca. 700 Wildbienenarten in Österreich fliegt zur gleichen Zeit. Die Flugzeiten sind artspezifisch und verteilen sich von MĂ€rz bis Oktober. ZusĂ€tzlich zum BlĂŒhzeitpunkt sollte auch auf den Pollen- und Nektarwert geachtet werden. Die Schilder bei uns im Bee.Ed-Bienengarten weisen alle diese Werte (und einige weitere) aus. WeiterfĂŒhrende Informationen finden sich z.B. im Buch „Bienenweide“ von Prof. Dr. GĂŒnther Pritsch (v.a. in Bezug auf die Auswahl passender Pflanzen) sowie auf der Website von Paul Westrich (wildbienen.info).

Ungeeignete Nisthilfen

Mittlerweile kennt sie faster jede*r: Die „Insektenhotels“ oder „Bienenhotels“ in Bau- und GartenmĂ€rkten oder in vielen anderen GeschĂ€ften bis hin zum Diskonter. Diese Artikel werden mittlerweile in einer unĂŒberschaubaren Vielfalt angeboten und oft auch zu Preisen, bei denen man hin und wieder zurĂŒckschreckt. Vor allem wenn man bedenkt (und nach dem Lesen dieser Website auch weiß) wie schnell und gĂŒnstig (oder sogar kostenlos) Nisthilfen selbst hergestellt werden können.

Abgesehen vom Preis gib es aber noch ein viel grĂ¶ĂŸeres Problem: Diese kĂ€uflichen Nisthilfen sind in den meisten FĂ€llen ungeeignet und teilweise sogar schĂ€dlich fĂŒr Wildbienen, was sich auch darin widerspiegelt, das solche „Hotels“ oft unbesiedelt bleiben. Aber was daran ist eigentlich ungeeignet bzw. schĂ€dlich?

  1. Ungeeignetes Material: Zapfen, Stroh, SchneckenhĂ€user (in der Nisthilfe!), kleine Holzblöcke, angebohrte Platten mit HohlrĂ€umen dahinter etc. helfen keinem Insekt. Diese Materialien werden lediglich deswegen verwendet, weil sie gut aussehen, gĂŒnstig sind und viel Platz einnehmen. Solche Materialien locken, wenn ĂŒberhaupt, nur OhrwĂŒrmer (Dermaptera) an, welche als Pollendiebe gelten und somit den Wildbienen schaden. Weiters sollte auf Risse in Röhrchen oder gebohrtem Holz geachtet werden, denn solche HohlrĂ€ume werden nicht besiedelt. Von einer Wildbiene besiedelte und bearbeitete HohlrĂ€ume sind ein mehr oder weniger geschlossenes System und bieten der Brut bis zu einem gewissen Grad Schutz vor Parasiten. Durch Risse geht dieser Schutz verloren und Wildbienen besiedeln solcheHohlrĂ€ume instinktiv nicht.
  2. SchĂ€dliches Material: Es ist von grĂ¶ĂŸter Wichtigkeit, dass Röhrchen (egal ob Schilf, Bambus, oder aus Pappe) nicht zerfranst sind, denn die Bienen zerreißen sich daran die FlĂŒgel und verenden. Viele Hersteller verwenden leider dennoch zerfranste Röhrchen. Auch bei Modellen mit vermeintlich „schönen“ Röhrchen loht sich ein genauer Blick, denn oft sind es Bambusröhrchen die so geschnitten wurden, dass sie nur 1 – 2cm tief sind und dann bereits ein Knoten zu sehen ist. Diese Röhrchen werden fĂŒr immer leer bleiben.
  3. Schutzdraht/-gitter: Wenn ein Schutzdraht verwendet wird, um hungrige Vögel (vor allem Spechte) davon abzuhalten sich an den Brutzellen gĂŒtlich zu tun, dann sollte dieser in einem Abstand von mind. 10cm zu den EingĂ€ngen der Nisthilfe montiert werden. Einerseits brauchen die Wilbienen etwas Platz, um sich am Eingang bewegen zu können und andererseits haben Spechte relative schmale und lĂ€nge SchnĂ€bel und zusĂ€tzlich bis zu 10cm (!) lange Zungen. Deswegen ist ein Draht/Gitter welches unmittelbar vor den NisteingĂ€ngen montiert wurde, nutzlos.
  4. Einheitlich: In vielen Nisthilfen finden sich Röhren mit dem selben Durchmesser. Da artpsezifisch aber unterschiedliche Durchmesser bevorzugt werden, sollte es unser Ziel sein, Wildbienen so viel Vielfalt wie möglich zu bieten.
  5. Plexiglas: Spione, welche es ermöglichen, dass man einzelne Elemente der Nisthilfe auslösen kann und dadurch einen Blick auf die Brutkammern ermöglichen sind didaktische sehr wertvoll und ermöglichen spannende Beobachtungen. Jedoch sollten keine Spione angeboten werden, in welchen reine Plexiglas-HohlrÀume verbaut wurden. Da hier wenig bis keine AtmungsaktivitÀt gegeben ist, beginnen die Brutkammern oft zu schimmeln. Es empfiehlt sich, Nistblöcke, welche aus Einzelelementen bestehen, oder hochqualitative Spione zu verwenden (hier und hier).

Hier ein paar Beispiele fĂŒr ungeeignete und schĂ€dliche Nisthilfen:

Zu guter Letzt gibt es da noch riesigen Nisthilfen, oft in Form des jeweiligen Firmenlogos gestaltet und damit ein optimaler Blickfang fĂŒr alle Kunden. Aber taugen diese Nisthilfen zu etwas? Jein. Um diese Fragen zu beantworten, mĂŒssen verschiedene Aspekte (Standort, Ausrichtung, Material und NahrungsverfĂŒgbarkeit) beachtet werden. Abgesehen davon mĂŒssen Nisthilfen auf keinen Fall so riesig sein, denn bereits in einer kleinen, mit Röhrchen gefĂŒllten Dosen können sich mehrere hundert Individuen enwtickeln. Hier nun zwei Beispiele:

Ungeeigneter geht es kaum.

  • Standort: direkt an einem Kreisverkehr und einer viel befahrenen Strasse (~); Ausrichtung nach SO (+)
  • Nahrung: wenig bis keine Nahrungsplfanzen in der unmittelbaren Umgebung (-)
  • Material: extreme Platzverschwendung durch die Verwendung von Stroh, Ästen, Zapfen und unbearbeitete HolzstĂŒcke (-); viele LeerrĂ€ume (-)
  • Material: alle Hölzer wurden stirnseitig angebohrt (-)
  • Material: nur Ziegel und HolzstĂ€mme, im Vergleich zur GesamtgrĂ¶ĂŸe viel zu wenig HohlrĂ€ume (-)
  • Schutz: zu wenig Abstand zwischen Nisthilfen und Draht (-)

Hier wurde vieles richtig gemacht.

  • Standort: an der Kreuzung zweier viel befahrener Strassen (~), Ausrichtung nach S (sehr sonniger Standort) (+)
  • Nahrung: direkt vor der Nisthilfe wurde eine relativ große Bienenweide angelegt (+)
  • Material: Röhrchen verschiedenster GrĂ¶ĂŸe (+), einige lose (Mitte links) und viele zerfranst oder stark verformt/gequetscht (-)
  • Material: grĂ¶ĂŸtenteils sauber gebohrte Löcher mit zumindest zwei unterschiedlichen Durchmessern (+)
  • Material: Lehmsteine (?) (+)
  • Schutz: kein Draht, was zu geplĂŒnderten Niströhren fĂŒhren kann (-)

Buchtipps und Websites

Wildbienen – Die anderen Bienen (Westrich)

Die Wildbienen Deutschlands (Westrich)

Welche Wildbiene ist das? (Petrischak)

Entdecke die Bienen (Möller, Pasch & Kranz)

Fertig zum Einzug: Nisthilfen fĂŒr Wildbienen (David)

Informative Websites zu Wildbienen, Nisthilfen, etc.:

https://www.wildbienen.info/index.php

https://wildbienen.de/

https://www.wildbienenwelt.de/

https://www.wir-fuer-bienen.at/wildbienen

https://www.wildbienenschutz.de/

https://www.bombus.de/

https://aktion-hummelschutz.de/

Nisthilfen, Material und Pflanzen kaufen:

Christine Schachinger (AT)

Hummeltischler (DE)

Bienenhotel (DE)

Stockhaus-Keramik (DE)

Wildbiene (DE)

Naturschutzcenter (DE)

Wildbienenschreiner (DE)

Reinhard Molke (DE)

Mauerbienen (DE)

WildbienenglĂŒck (DE)

Bienensteine (DE)

Fotos und Informationen:

Wildbienenlexikon

WildbienenflĂŒster

WildbienenglĂŒck

Literatur:

Hofmann, Michaela M., Andreas Fleischmann, and Susanne S. Renner. „Foraging distances in six species of solitary bees with body lengths of 6 to 15 mm, inferred from individual tagging, suggest 150 m-rule-of-thumb for flower strip distances.“ Journal of Hymenoptera Research 77 (2020): 105.

Zettel, Herbert, et al. „Kommentierte Liste der aus Wien (Österreich) nachgewiesenen Bienenarten (Hymenoptera: Apidae).“ Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen 67 (2015): 137-194.

FĂŒr die Erstellung der Wildbienennisthilfe und des darin verwendeten Materials wurde auf die Expertise und Tipps von Paul Westrich, Werner David und Andrea Möller zurĂŒckgegriffen. Deren BĂŒcher und Websites, welche auch fĂŒr die Gestaltung des vorangegangen Textes verwendet wurden, sind unter „Buchtipps“ und „Informative Websites zu Wildbienen, Nisthilften, etc.“ verlinkt.